Ins Freie - Roman by Joshua Ferris

Ins Freie - Roman by Joshua Ferris

Autor:Joshua Ferris
Die sprache: deu
Format: epub
Herausgeber: Luchterhand Literaturverlag
veröffentlicht: 2013-02-08T00:00:00+00:00


Er saß noch längere Zeit an dem wackligen grünen Tisch im Bryant Park. Nein, enttäuscht war er nicht, eher erleichtert. Seine Erleichterung wuchs sogar, je länger er darüber nachdachte. Ihm fiel wieder der Guru ein, der ihn vor der Fixierung auf die moderne Nachrichtenflut gewarnt hatte. Den ganzen Morgen hatte er mit Warten verschwendet. Mit Warten auf Kronishs Reaktion über eine Initiative, die er eigentlich niemandem zeigen wollte und deren intrinsische Reinheit jetzt besudelt war. Ein Morgen voller Angst und Anspannung, der dem Tag jede Schönheit nahm. Das Schlimmste dabei: Die Angst und sein alter idiotischer Ehrgeiz drängten ihn aus der Welt, obwohl er sich fest vorgenommen hatte, dass gerade das nicht mehr passieren durfte. Eben weil die Erinnerung an seine Zeit im Gästezimmer verblasste, musste er darauf achten, dass er in der Welt blieb. Indem er Kronish seinen Antrag präsentierte und via Blackberry angstvoll auf dessen Segen wartete, hatte er sich selbst auf eine unwirkliche Umlaufbahn geschossen, wo seine Zeit ohne Achtsamkeit verging und die gerade erst wiedererlangte Welt in weite Ferne rückte. Und wofür? Für einen Anruf, eine Mail, für etwas, das gar nicht schnell genug kommen konnte und ihm trotzdem nur wehtat. Solchen Anwandlungen musste er von nun an widerstehen, sie zogen ihn runter. Jane kam morgen nach Hause. Sie brauchte dringend seine Unterstützung. Wie aber sollte er sich um sie kümmern, wenn ihn Kronish gleich wieder zum Partner gemacht hätte? Sofort wäre sein Blackberry wichtiger gewesen als Jane, im Minutentakt hätte er die Nachrichten abgerufen. Was war das denn für ein Leben?

Noch während ihn diese Gedanken bewegten, fiel ihm die Beschaffenheit seiner Umgebung auf, zum ersten Mal an diesem Tag. Der Wind hatte aufgefrischt, und seine frostgeschädigten Nervenbahnen klingelten eisig in ihren Bindegewebshüllen. Eine Kaltlichtsonne warf lange Schatten und entzog sie der Erde ebenso schnell wieder. Mein Gott, dachte er, schon halb zwei.

Er stand auf und wollte gehen. Wieder dieses Knistern welken Laubs unter den Sohlen, nur diesmal sah er genauer hin. Es waren tote Bienen, ein riesiger Teppich aus toten Bienen. Er hob die Füße an, um nicht auf sie zu treten, doch das ließ sich kaum vermeiden, denn sie waren überall. Erst in der Nähe der Straße dünnte sich das Schlachtfeld aus. Verwundert blickte er zurück auf Hunderte, Tausende gelb-brauner Chitin-Kadaver. Selbst in New York, diesem verlässlichen Quell für absurde Szenen aller Art, war das ungewöhnlich.



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